Vom Salsero zum Tangotänzer: Was ich aus 16 Jahren München mitgebracht habe
16 Jahre Salsa Cubana in München – dann Umzug nach Bremen und der Schritt in den Tango. Eine Geschichte über Umwege, die sich lohnen.

München, die Salsa, und ich
Von 2004 bis 2020 habe ich in München gelebt. Und in dieser Stadt habe ich tanzen gelernt. Nicht im Tango – in der Salsa Cubana.
Angefangen hat es wie bei vielen: Ein Probeschnupperkurs, ein Hobby, eine Leidenschaft. Am Ende war es ein zentraler Teil meines Lebens. Ich habe intensiv getanzt, Workshops besucht, Festivals, Kongresse. Salsa Cubana war für mich das, was für andere der Sportverein ist – nur mit besserer Musik.
Als die Salsa aufhörte
2020 bin ich nach Bremen gezogen. Bremen-Nord, neues Leben, kein Tanzverein. Die Salsa-Szene in München kannte ich in- und auswendig. In Bremen kannte ich niemanden.
Ich habe eine Weile gebraucht, um mich in die neue Stadt einzufinden. Irgendwann habe ich eine Tangoveranstaltung ausprobiert. Nicht mit großen Erwartungen – einfach, weil ich tanzen wollte und Tango in Bremen eine starke Szene hat.
Der Schock – und die Erkenntnis
Die erste Tangostunde war ernüchternd. Ich konnte nichts. Im Salsa tanzt man mit Abstand, im Tango mit Umarmung. Im Salsa ist die Hüfte zentral, im Tango die Achse. Im Salsa gibt es 20 Grundschritte, im Tango unendlich viele Variationen von vieren.
Aber es gab auch Dinge, die mir halfen. Die Musikalität – aus der Salsa wusste ich, wie man auf den Rhythmus hört, wie man Phrasen erkennt, wie man sich in der Musik bewegt. Das war meine Brücke.
Was ich aus der Salsa mitgenommen habe
Respekt vor der Partnerin. In der Salsa Cubana habe ich gelernt, dass Führen nichts mit Dominanz zu tun hat. Es ist eine Einladung. Das hat mir im Tango sofort geholfen.
Geduld. In 16 Jahren Salsa wurde ich nicht über Nacht gut. Ich wusste, dass Tanzen ein langer Weg ist. Das hat mich vor Frustration bewahrt, als der Tango nicht sofort klappte.
Die Freude an der Bewegung. Salsa Cubana hat mir beigebracht, dass Tanzen vor allem eines sein sollte: Spaß machen. Diese Einstellung habe ich in den Tango mitgenommen – und sie bewahrt mich davor, zu verbissen zu sein.
Was ich neu lernen musste
Die Umarmung. Das war das Schwerste. Aus der Distanz in die Nähe zu gehen, Vertrauen aufzubauen, ohne Schutz. Aber es ist auch das Schönste.
Die Achse. Im Salsa verlagere ich mein Gewicht anders. Im Tango musste ich meine Körpermitte neu finden. Drei Jahre später bin ich immer noch dabei.
Loslassen. Im Salsa planst du deine Schritte. Im Tango lässt du dich führen – oder du führst, indem du der Partnerin Raum gibst. Das ist ein komplett anderes Denken.
Warum sich der Umweg gelohnt hat
Heute bin ich froh, dass ich nicht direkt mit Tango angefangen habe. Die Salsa hat mir eine Musikalität und ein Körpergefühl gegeben, die ich im Tango täglich nutze. Und der Umweg über München, über eine andere Tanzkultur, hat mir gezeigt: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt deinen Weg.
Manchmal wünschte ich, ich hätte früher mit Tango angefangen. Aber dann denke ich an meine Jahre in München – die unzähligen Milongas (im Salsa-Sinne), die Freundschaften, die Momente – und ich bin dankbar für jeden einzelnen.
Vielleicht geht es dir ähnlich? Vielleicht kommst du auch aus einem anderen Tanz und wagst den Schritt in den Tango? Dann nimm deine Erfahrungen mit. Sie sind kein Umweg. Sie sind dein Weg.