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Vals: Wie ich den Dreivierteltakt lieben lernte (obwohl er mich anfangs überforderte)

Zu schnell, zu schwindlig, zu viel – der Vals war mein persönlicher Albtraum. Bis ich verstand, dass er sich nicht kämpfen, sondern fliegen lässt.

Vals: Wie ich den Dreivierteltakt lieben lernte (obwohl er mich anfangs überforderte)

Zu schnell, zu nah, zu viel

Es gab eine Zeit, da habe ich den Vals gehasst. Ehrlich.

Wenn der DJ die ersten Takte eines Vals auflegte, wusste ich: Jetzt wird es ungemütlich. Die Musik rast, die Drehungen kommen schneller, als ich denken kann, und nach drei Minuten war ich schwindlig, verwirrt und mit dem falschen Fuß unterwegs.

Ich habe alles probiert, um zu „überleben": Kleinere Schritte, größere Schritte, langsamer werden, mich an der Musik festhalten. Nichts hat funktioniert. Weil ich den Vals wie einen schnellen Tango behandelt habe – und das ist er nicht.

Was den Vals anders macht

Der Vals ist kein Tango im Dreivierteltakt. Er ist eine eigene Welt.

Im Tango hast du diesen Moment der Pause, der Entscheidung, des Atems. Schritt – Pause – Schritt. Der Vals kennt keine Pause. Er fließt. Wer die Musik zu lesen gelernt hat, weiß: Du kannst nicht anhalten, du kannst nicht überlegen, du kannst nur fliegen.

Die Musik trägt dich. Das klingt kitschig, aber es stimmt. Wenn du versuchst, den Vals zu kontrollieren, verlierst du. Wenn du dich ihm hingibst, trägt er dich.

Der Dreh – im wahrsten Sinne des Wortes

Drehungen im Vals sind anders als im Tango. Sie sind nicht dazu da, eine Richtungsänderung zu machen. Sie sind Teil des Flusses. Im Tango drehst du dich, weil du die Spur wechseln willst. Im Vals drehst du dich, weil die Musik sich dreht.

Irgendwann habe ich aufgehört, die Drehungen zu zählen. Ich habe aufgehört, zu denken: jetzt links, jetzt rechts. Ich habe mich einfach bewegt – und die Musik hat den Rest gemacht.

Was mir eine Lehrerin gesagt hat

„Du musst im Vals nicht kämpfen. Du musst vertrauen. Vertrauen, dass die Musik dich trägt. Vertrauen, dass deine Partnerin da ist. Vertrauen, dass der Boden unter deinen Füßen bleibt."

Klingt einfach. War es nicht. Aber als ich es geschafft habe, für eine ganze Tanda loszulassen, war das Gefühl unbeschreiblich. Kein Schwindel mehr, keine Angst. Nur Bewegung, Musik, und ein Mensch in meinen Armen.

Seitdem ist der Vals mein heimlicher Favorit.

Tipps für alle, die noch kämpfen

Falls es dir wie mir geht: Bleib dran. Der Vals ist nicht der Feind. Er ist das schnellste Fahrrad, das du je gefahren bist – und wenn du Achse und Gleichgewicht gefunden hast, wirst du nicht mehr absteigen wollen.

Mach kleinere Schritte. Atme. Und vor allem: Hör auf zu denken. Dein Körper weiß, was zu tun ist. Lass ihn einfach.